Sonntag, 8. Mai 2011
Benefitz für Japan
Eine tolle Sondermeldung. Die Benefizveranstaltung in Lüneburg, bei der ich für den guten Zweck Shiatsu am mobilen Behandlungsstuhl gegeben habe, hat einen Gesamterlös von 14.000 Euro erzielt (siehe http://www.ochtmissersv.de) und noch toller ist, dass das Geld an das Kinderheim in Ichinoseki geht, für das ich so kräftig mit meinen Origami Kranichen Werbung mache (siehe www.das-japanische-gedaechtnis.de/lebensbilder-a-z/srm-caelina-mauer-m.html für Infos über die Leiterin des Kinderheims Schwester Caelinea Mauer oder unter www.fujinosono.or.jp/). Auch am darauf folgenden Wochenende konnte ich im Rahmen eines Benefitz Karate-Lehrgangs mit Shiatsu Spenden für Japan, diesmal für die Organisation World Vision, erarbeiten (siehe http://www.karate-breitensport.de/).
Sonntag, 10. April 2011
1000 Kraniche für Japan
Dienstag, 15. März 2011
Erdbeben - Tsunami - Atomkatastrophe
Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten - man hat gewünscht, gehofft und gebetet, aber nach Erdbeben und Tsunami bedroht jetzt die atomare Verseuchung das so schwer angeschlagene Japan. Häuser kann man wieder aufbauen, das Leid der Menschen ist unsäglich, aber jetzt verlieren sie auch noch ihre Heimat - oder was noch davon übrig geblieben ist.
Man kann im Moment einfach nicht mehr tun und beten, dass die Kirschen auch nächstes Jahr noch blühen werden:
Deutsch-Japanische Gesellschaft zu Hamburg e.V.
"Hamburger Bürger helfen Japan"
HypoVereinsbank Hamburg
BLZ: 20030000
Konto-Nr.: 10191064
Man kann im Moment einfach nicht mehr tun und beten, dass die Kirschen auch nächstes Jahr noch blühen werden:
Deutsch-Japanische Gesellschaft zu Hamburg e.V.
"Hamburger Bürger helfen Japan"
HypoVereinsbank Hamburg
BLZ: 20030000
Konto-Nr.: 10191064
Freitag, 11. März 2011
11. März 2011 - Erdbeben und Tsunami in Japan
Es fällt mir schwer etwas zu schreiben.
Seit dem frühen Morgen sitze ich vor dem Fernseher und verfolge die Berichterstattung über das Erdbeben und den Tsunami in Japan. Ich bin tief betrübt und in Sorge, da ich mich mit den Menschen in Japan sehr verbunden fühle und das nicht erst seit meiner Shikoku Pilgertour. Freunde in Japan und hier in Deutschland, die ich über die Shikokutour kennen gelernt habe, habe ich schon angemailt, aber im Herzen glaube ich, dass alles mit ihnen in Ordnung ist. Ich bete, dass wir den Senit dieses schwarzen Tages für Japan erreicht haben, und es nicht noch schlimmer wird. Im festen Glauben daran - Namu Daishi Henjo Kongoo! Eine Kerze in der Dunkelheit ist immer noch besser als gar kein Licht! Eine Kerze für die Menschen, die ihr Leben ließen und für die, die ihren Glauben bei der schrecklichen Katastrophe verloren haben.
Nur so nebenbei - ich bekomme gerade die Meldung rein, dass man auf Shikoku nicht viel von dem Erdbeben/Tsunami mitbekommen hat - Shikoku ist also verschont geblieben.
Donnerstag, 1. Juli 2010
Geschafft!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Geschafft, ich kann es kaum glauben:
Während mich meine Pilgertour in Japan
gerade mal 45 Tage beschäftigt hat,
hat dieses Pilgertagebuch über ein
Jahr für sich beansprucht!
Das Pilgertagebuch war der erste Streich,
doch die nächsten Projekte sind die
Ausarbeitung der Tempelbeschreibungen
sowie die der einzelnen Exkurse.
Eine weitere Pilgertour in Japan schließe
ich nicht aus - Japan ist immer eine Reise
wert!
Viele Grüße und "ja mata" - man sieht sich!
(vielleicht in Japan?)
Britta :-)
Freitag, 01.05.2009, Osaka, Hagoromo, Jugendherberge
Auch diese Nacht schlafe ich wie ein Karnickel – ich schlafe nicht richtig tief, da ich befürchte, morgen nicht rechtzeitig aufzuwachen. Da meine beiden Zimmergenossinnen die Gardinen zugezogen haben, funktioniert mein Trick, die Vorhänge offen zu lassen, damit mich das erste Sonnenlicht weckt, nicht. Außerdem schnarcht die dickere der beiden leise vor sich hin. So komme ich nicht umhin, mitten in der Nacht um 3.30 Uhr meinerseits für Krach zu sorgen, als ich zur Toilette schleiche. Die schweren Türen in der Jugendherberge schließen von selbst und so muss man höllisch aufpassen, damit eine solche nicht laut ins Schloss fällt. Ich bin schon früh wach, ich habe ja nicht viel geschlafen und lauere auf das Frühstück, das es um 7.45 Uhr geben soll. Glücklicher Weise gibt es vor dem Frühstücksraum einen Internetterminal, wo man für 100 Yen 10 Minuten surfen kann. Nachdem ich mich beim Frühstück gestärkt habe, es gibt hier super leckere Minichroissants, mache ich mich auf den Weg zum Kansai Airport. Weder von der Fluggesellschaft noch von „Upandgo“ habe ich eine Antwort auf meine E-Mails erhalten. Ganz schön ärgerlich, wenn man so in einem fremden Land fest hängt und keinen Ansprechpartner hat.
Ich verlasse also den schönen Park, in der Japans größte Jugendherberge liegt, und schlendere zum Bahnhof Hagoromo. Von hier nehme ich den Llt. Express, der jedoch wieder einmal zwei Stationen vor dem Ziel Kansai Airport endet. Man sollte eben genau darauf achten bis zu welchem Bahnhof der Zug fährt („bound for“) und nicht in blind darauf vertrauen, dass hier alle Züge auf die künstliche Insel in der Buch von Ōsaka fahren. Ich steige also nochmals um und betrete kurz darauf die Flugschalterhalle. Den Flugschalter finde ich sofort, heute ist er auch geöffnet, da in nicht mal zwei Stunden ein Flieger nach Helsinki startet. Ich frage höflich am Schalter nach, ob sich mein Flug umbuchen lässt. Eigentlich glaube ich nicht, dass es möglich ist, da Mutter und Tochter aus Berlin auch nicht umbuchen konnten. Aber ich versuche es und die Stewardess am Schalter fragt telefonisch nach – das nährt meine Hoffung. Aber von der Aussicht heute endlich nach Hause fliegen zu können, meinen Eltern endlich von meinen Abenteuern berichten zu können, falle ich dann auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein Umbuchen ist nicht möglich und für den heutigen Flug müsste ich 2500 Euro bezahlen. Ich verdrücke mir eine Träne - für das Geld könnte ich die Shikoku Tour fast nochmals laufen, aber auch für das Geld einer Neubuchung, es würde so 700 bis 800 Euro kosten, könnte ich noch einige Zeit hier in Japan überleben.
Ich beschließe also meine knapp 3 Wochen dazu zu nutzen, mir die Orte in Japan anzusehen, die ich noch nicht kenne. Aber das größte Problem ist, dass ich so aus dem Stehgreif keine Idee habe, was ich besuchen möchte und mich bei dem Überangebot an interessanten Orten auch nicht entscheiden kann. Da fällt mir die Touristeninformation ein, die ich schon am Anfang meiner Shikoku Reise zusammen mit Hajo besucht hatte. Hatte ich dort nicht ein Prospekt („World Heritage Pilgrimages Routes – Way of St. James & Kumano Kodo“) in der Hand, wo der japanische „Kumano-Kodo“ mit dem spanischen Jakobsweg verglichen wurde. Ich suche das Prospekt, leider ist in ihm nicht die exakte Route verzeichnet. Hier vor der Touristeninformation gibt es so eine Art Ruhezone mit Prospekten über viele Sehenswürdigkeiten in Japan – nicht über alles aber über vieles. Bei speziellen Fragestellungen einfach die Damen an der Information fragen, aber zunächst benutze ich hier den Internetterminal, um noch einige Informationen einzuholen. Aber an Kartenmaterial komme ich so schnell nicht. Deshalb frage ich bei den Damen in der Touristeninformation erstens nach Infomaterial über den Ise Schrein, nach Möglichkeiten, hier in Japan als Ausländer am Karatetraining teilzunehmen und ob es nicht Wanderkarten für den Kumono-Kodo gibt. Da ich nicht kreuz und quer durch Japan reisen möchte, mein Budget ist begrenzt, und außerdem möchte ich in der Nähe bleiben. Ich erkläre ihr, dass ich mich auch für die Saikoku, die Pilgerreise zu den 33 Tempeln der Gottheit Kanon im Gebiet Kansai (Westjapan), interessiere. Für letzteres erhalte ich lediglich eine Liste mit den Tempelnamen, was mich nicht wirklich weiter bringt. Beim Ise Schrein und dem Kumano Kodo hat die Damen mehr Glück. Stolz präsentiert sie mir eine Broschüre mit der Aufschrift „Kumano Kodo – Walking Guide Map – Ise-ji Routes“. In diesem Heftchen sind Tagestouren so um die 10 km eingetragen, die meist von einem Bahnhof zum nächsten führen. Ein „Access Guide“ am Ende listet alle Möglichkeiten auf, mit welcher Zug-, Buslinie oder über welche Autobahn man an die Startpunkte gelangt. So etwas habe ich gesucht! Aber soll ich wirklich weiter wandern oder besser meinem Körper eine Pause gönne? Ich fühle mich noch relativ fit, aber meine Laune ist zurzeit nicht die beste, da ich die Hoffnung auf Heimkehr erstmal aufgeben musste. Es ist mittlerweile 14.03 Uhr, ich sitze hier schon fast 2 Stunden und als ein Mann von Sicherheitsdienst mich anspricht, ob es mir gut gehen würde, sehe ich mich endlich genötigt, meinen Arsch wieder in Bewegung zu setzen: Ich werde noch eine tolle Zeit hier in Japan haben, muntere ich mich auf, das ist doch bis jetzt fast alles super gelaufen, da werde ich am Ende mich doch durch so eine kleine Verzögerung nicht runterziehen lassen. Neue Wanderwege wollen von mir erkundet werden, neue Begegnungen und neue Abenteuer warten auf mich!
Ich mache mich also auf den Weg, zunächst einmal will ich nach Ōsaka ins Kikue, einem Businesshotel, dass ich schon von einer früheren Japanreise kenne. Ōsaka um die Namba Station ist für mich ein bisschen Heimat, da ich die Gegend recht gut kenne. Aber Vorsicht, der riesige Bahnhof von Namba, der noch dazu in eine supergroße Einkaufspassage (Namba Walk) übergeht und vor Shops nur so wimmelt, ist mit seinen vielen Eingängen ein wahres Labyrinth. Auch diesmal habe ich das Problem, den richtigen Ausgang Richtung „Denden Town“ zu finden. „Denden Towen“ ist so eine Art Akihabara (Stadtteil von Tokyo) von Ōsaka. Es ist ein Elektronik-Viertel, in dem alles, was mit Strom läuft, verkauft wird. Touristen können hier steuerfrei einkaufen, da die Steuer hier in Japan aber nur 5 % beträgt und Japan teuer ist, muss man gründlich recherchieren, um hier noch ein Schnäppchen zu machen. Zu dieser Zeit wäre ein „Nindo DaySi“ aktuell, da es diesen in Deutschland erst in zwei Monaten gibt. Aber ich spare mein Geld lieber, da ich jetzt nicht mehr im „Pilgerland“ bin, sondern die hiesigen Touristenpreise bezahlen muss. Auch wird mir die Unterkunftssuche schwerer fallen, da keine Unterkünfte im Wanderführer eingetragen sind.
Aber erstmal frage ich im Kikue, ob sie ein Zimmer für mich frei haben. Ach, da werden Erinnerungen an meine letzte Japanreise wach, als ich die Insel Okinawa besuch habe, den Fuji-san (höchste Erhebung in Japan; Wahrzeichen Japans) im Alleingang bezwang und ausgiebig in Kyoto und Nara „getempelt“ und „geschreint“ habe. Damals noch in voller Sommerhitze des August, habe ich jetzt (Anfang Mai) gemäßigte Temperaturen. Doch auch die hier vorherrschenden 24°C, sind ein Kontrastprogramm zum kühlen Koyasan und auch die letzten Shikoku Tage. Ich habe etwas Kopfschmerzen, als ich mich im Bereich um den Nankai Bahnhof umsehe – das ist wohl die Wetterumstellung. Im Namba Walk fröne ich der Fastfood Kultur: Bei McDoof hier in Japan gibt es leider keine Curry-Sauce zu den Hähnchenstücken, aber die Japan exklusive Senfsoße („Masutado Sozu“). Sogar Hotdogs sind hier in Japan im Sortiment. Mit meiner Tüte eingepacktem Essen ziehe ich mich in den als „Parks“ bezeichneten Bereich des Namba City Kaufhauses zurück. Es ist so eine Art Park, den man über mehrere Stockwerke, ähnlich einer Dachterrasse angelegt hat. So richtig mit Bäumen und Sträuchern. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie der Japaner seine geliebte Natur in der Betonwüste der Großstadt inszeniert. Nicht nur die traditionellen kleinen Gärten, zu denen sich die Zimmer öffnen, sondern auch richtige Parkanlagen auf den Dächern der Hochhäuser sind ein Beweiß dafür, dass der Japaner ohne seine Natur und den damit verbundenen Wechsel der Jahreszeiten nicht leben kann. Da die oberste Etage japanischer Kaufhäuser meist eine Art „Fressmeile“ mit den unterschiedlichsten Restaurants und Cafes bildet, ist auch ein Park zum Rumspazieren keine Seltenheit. Nahrung für den Körper und für die Seele! Aber auch kleinere Tiere fehlen hier nicht, so habe ich bei meinem letzten Japanaufenthalt eine tolle Libelle auf dem Dach des Busterminals von Ōsaka fotografieren können. Nach dem Essen durchstöbere ich im Takashimaya, einer renommierten Kaufhauskette aus dem Jahre 1829, die Abteilungen für Traditionelle Kleidung, sprich Kimono und Kimonozubehör, sowie die Kunst- bzw. Handwerkabteilung, die Lackarbeiten und Holzgeschirr in allen Variationen und natürlich auch Preisklassen für den geneigten (reichen) Kunden bereit hält. Ich sehe mich an den bunten bis prächtigen Kimonostoffen statt, leider gibt es hier nur die japanische Einheitsgröße, die mir nicht passt, da ich zu lange Arme habe. So ein Baumwollkimono (Yukata) würde mir schon gut stehen, aber man verweist mich dann immer in die Souvenirabteilung, in denen es die typischen blau-weißen Yukata in Übergrößen, speziell für Ausländer, zu kaufen gibt. Ich schwärme für die traditionellen Kimono und die geschmackvolle Zusammenstellung von Kimono, Gürtel und Accessoires wie Spangen, Schnüre (himo) und Kragen (eri). Wenn man am guten Geschmack der Japaner zweifelt, weil die Jugend allzu bunt, allzu kurz und allzu schrill auf sich aufmerksam machen will, dann sollte man sich eine Kimonoträgerin ansehen - das ist dann wie Watte und Balsam für die Sinne. Ich wundere mich immer wieder wie harmonisch die traditionelle Kleidung zusammengestellt wird. Farbe und Motiv der Jahreszeit entsprechend, die jüngeren Damen mit kräftigen Farben und langen Ärmeln (Furisode Kimono) und die älteren in gedeckten Farben oder mit der schlichten Eleganz eines schwarzen Kurotomesode, bei dem lediglich der untere Rand einige Motive aufweisen kann. Was für uns der „Schwarze Anzug“ oder das „Kleine Schwarze“ ist, findet in Japan sein Gegenstück in Kimono und Hakama (Hosenrock der Männer). Aber die ganzen Geschäfte und die Geschäftigkeit hier um den Bahnhof können einen ganz schwindelig machen. Ich mag die japanischen Großstädte nicht, alles ist zu viel – zu laut, zu warm, zu bunt, zu wimmelnd – einfach nervtötend.
Ich bin froh, als ich nach meiner Shoppingtour wieder im Kikue lande. Hier schmiede ich nun Pläne wie meine verbleibende Zeit in Japan verbringen möchte. Um es kurz zu machen, da ich noch keine Zeit hatte, die restlichen Notizen zu Papier bzw. Computer zur bringen: Als erstes werde ich mit dem Zug zum Ise-Schrein (http://www.isejingu.or.jp/english/) fahren, von dort weiter nach Umegadani, wo der Startpunkt auf meiner Wanderkarte ist. Doch zuvor werde ich noch per Zufall an einem Matsuri, einem traditionellen Schreinfest, in einem kleinen Dörfchen namens Tokida http://maps.google.com/maps?hl=de&rlz=1R2IRFC_deDE341&q=tokida&lr=&oq=&um=1&ie=UTF-8&sa=N&tab=il;%20http://hisaai-hp.hp.infoseek.co.jp/JRCentral/ka/Sg_s_eg.html)
teilnehmen. Als einzige Ausländerin werde ich zum gefragten Interviewstar, da ich gleich von drei mutigen Lokalreportern um ein paar Wort gebeten werde. Mein Weg wird mich einige Tage über den Kumano Kodo (http://www.kumadoco.net/kodo_eng/
führen, es werden auch einige Regentage dabei sein. Doch beim letzten der drei Kumano Schreine werde ich auf den Megangji Tempel treffen. Er ist der erste der 33 Tempel der Saikoku Pilgerreise (http://www.taleofgenji.org/saigoku_pilgrimage.html), von denen ich auch noch einige besuchen werde. Nicht mehr alles zu Fuß, sondern jeweils vom nächstmöglichen Bahnhof. Meine Reise wird mich einmal um die Wakayama Halbinsel mit den Kii-Bergen herumführen, über Ōsaka, Nara und Kyoto bis zur Schreininsel im Biwa See und einem Abstecher nach Ueno zum Iga Ninja Museum (http://www.iganinja.jp/en/). Doch um diese Geschichten aufzuschreiben, fehlt mir im Moment die Zeit, denn auch mein Blog (http://www.shikokuhenro.blogspot.com/) verlangt nach stetem Ausbau. Ob es vielleicht einmal einen Blog „kumanokodohenro“ oder saikokuhenro“ gibt, weiß ich nicht.
Donnerstag, 30.04.2009, Koyasan, Jugendherberge
Heute bin ich zwar um 5.10 Uhr aufgewacht, habe mir die Morgenmeditation im Muryōkō-in dann doch verkniffen, weil ich einfach zu kaputt bin. Hajo geht schon hin und kann mir dann beim Frühstück davon berichten. Wir werden heute den Koyasan verlassen, Hajo, um nach Nara zu fahren und ich will dem Flugschalter im Flughafen Kansai einen Besuch abstatten, da ich vom Internetportal „Upandgo“ noch immer keine Infos über Umbuchungen erhalten habe. Ich bin aber pessimistisch. Mutter und Tochter aus Berlin, die ich auf Shikoku getroffen habe und ebenfalls vor ihrem eigentlichen Abflugtermin die Pilgertour beendet hatten, konnten nicht umbuchen und mussten das Geld für einen neuen Flug abdrücken. Es würde mich freuen, endlich mit meinen vielen Gesichten und Fotos nach Hause zu kommen, und den Daheimgebliebenen von meinen Abenteuern berichten zu können. Aber so wie es aussieht, werden ich mir ein Alternativprogramm überlegen müssen, denn für den Flugpreis könnte ich mich hier in Japan noch einige Zeit, wenn ich bescheiden lebe, durchschlagen. Ich befrage das Internet über eine Karate Trainingsmöglichkeit in Ōsaka. Es soll noch einen schönen Wanderweg zwischen Kyoto und Nara geben. Das Schicksal hat mich wieder mit Hajo zusammengeführt, und sollte ich meinen Flug nicht umbuchen kann, würde ich ihn in der Jugendherberge in Nara treffen, um wieder vereint von Nara nach Kyoto zu wandern. Leider gibt es im Netz keine Einzelheiten, vielleicht ist es ein alter Pilgerweg, vielleicht auch nur ein einfacher Wanderweg. Wenn wir Pech haben, ist es nur ein Gerücht und selbst wenn, dann können wir nicht auf so detailliertes Kartenmaterial wie in Shikoku zurückgreifen. Außerdem ist Shikoku die Insel der Pilger. Hier sind meist nur preiswerte Unterkünfte und Restaurants eingetragen. Doch auf dem „Festland“ gibt es wieder Business-Tarife für die Hotels und Eintritt für jeden Tempel, den man besuchen will. Wir sind dann wieder im „Touristenland“ und werden unser Pilgerland „Shikoku“ vermissen.
Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen. Ich schieße noch ein paar Fotos von der Jugendherberge. Es ist ein altes, japanisches Haus, das man zur Jugendherberge umgebaut hat. Ich hatte eine gemütliche, wenn auch durch Schlafmangel geprägte, Zeit hier oben unter dem Dach – juhe! Da die Unterbringung hier oben in den „Kämmerlein“ das gleiche gekostet hat, wie ein Platz im Schlafsaal unten im Haus, habe ich die private Alternative vorgezogen. Ich musste allerdings unter den Toilettengänger des Nachts leiden. Das Zimmer neben meinem ist auch so ein „Kämmerlein“. Ich konnte einen flüchtigen Blick beim Auszug hineinwerfen. Wenn man sich durch die kleine Tür gequetscht hat, war der Raum doch größer als erwartet. Aber ich lobe mir mein Bett, obwohl ich immer Gefahr gelaufen bin, mir am Dachbalken den Kopf zu stoßen - aber wofür hat man eine Taschenlampe. Der Aufenthaltsraum ließ keine Wünsche offen.
Ich verlasse zusammen mit Hajo das Haus. Der Bus zum Bahnhof kostet 280 Yen. Da man das kurvige Stück kurz vor der Ortschaft nicht zu Fuß erklimmen darf, es gibt hier keinen Bürgersteig und keine Möglichkeit den Touristenbussen in den Kurven auszuweichen, sind wir gezwungen, unseren letzten Gruß vom Bus aus zu entrichten. „Sayonara Kōbō Daishi“ und „Tschüß“ Kurtsan!“ Wir hatten hier auf dem Koyasan und auf Shikoku eine schöne, wenn auch nicht unproblematische, Zeit. Für den Zug zum Kansai Airport berappe ich nochmals 1980 Yen, aber erstmal geht es mit der Bergbahn zurück zum Bahnhof der JR (Japanese Railways). Als ich mir das Ticket kaufe, erhalte ich als Wechselgeld einen 2000-Yen-Schein. So einen habe ich noch nie hier in Japan gesehen, aber ich werde ihn als Andenken aufgewahren. Wir fahren mit dem Zug wieder in Richtung Ōsaka. Am Bahnhof „Hashimoto“ verlässt mich Hajo, um in einen Zug nach Nara zu wechseln. Wenn ich den Flug nicht umbuchen kann und nicht weiß, was ich tun soll, kann ich Hajo in den nächsten Tagen in Nara finden. Danach wird er nach Kyoto reisen, um hier die berühmtesten Tempel Japans zu besuchen. Ich habe ihm noch einen meiner Reiseführer mitgegeben, damit er einen Eindruck davon gewinnt, was ihn erwartet. Alle Tempel in Kyoto besuchen zu wollen, ist fast unmöglich in der kurzen Zeit. Er muss also eine Vorauswahl treffen. Ich selber war vor einigen Jahren für eine Woche in Kyoto und hatte das Glück beim alljährlichen Abschluss des Allerseelenfestes (O-Bon) in Japan, dem „Gozan no Okuribi“ in Kyoto beizuwohnen. Bei diesem Ritual werden auf mehreren Bergen im Norden der Stadt große Feuer entfacht, die aus der Ferne gesehen die japanische Schriftzeichen für „Buddhas große Lehre“ ergeben. Eindrucksvoll, aber nach dem Entzünden herrscht das reine Verkehrschaos in der Stadt, da alle Zuschauer wieder schnell nach Hause wollen. Also nachdem Hajo den Goldenen Pavillon (Kinkaku-ji), den Silbernen Tempel (Gingaku-ji), den anschließenden Philosophenpfad erkundet hat, wird er wohl den Kiyomizu-dera („Tempel des Gutes Wassers“) mit seinen drei Quellen, die Zwillingstempel Nishi und Higashi Honganji besuchen und im Tōji-Tempel („Ost-Tempel“ oder Kyō Goku-ji, „Das Land beschützender Tempel des Königs der Lehre“) wieder auf Kōbō Daishi treffen, der hier seine erste Wirkungsstätte hatte. Die Pagode des Tōji ist übrigens das Wahrzeichen Kyotos, obwohl der hypermoderne Bahnhof ihr heutzutage den Rang streitig machen könnte. Ja – Kyoto ist keine Kleinstadt mit ein paar Tempeln, sondern eine Großstadt, in der man nur selten noch ruhige Ecken findet. Aber für den ambitionierten Japan Touristen ein Muss, ebenso wie die Tempel- bzw. Schreinanlage von Nikko, die Hajo auch noch besuchen möchte, bevor her über Tokyo und den Flughafen Narita wieder nach Hamburg zurückkehrt. Auch ich soll später wieder den Weg nach Kyoto finden. Nachdem ich von Ise dem Kumano-Kodo zu den drei Großschreinen von Kumano abgewandert habe, soll mich mein Weg über Ōsaka und Nara wieder in die Tempelstadt führen. Während ich den Kiyomizudera Tempel zum zweiten Mal im meinem Leben besuchte, soll mir der erste Besuch des Daigo-ji in bleibender Erinnerung bleiben. Der Name Daigo-ji kam mir von Anfang an so bekannt vor, bis mir einfiel, dass es letztes Jahr (2008; http://www.kah-bonn.de/index.htm?ausstellungen/daigoji/index.htm) eine Ausstellung in der Kunsthalle Bonn gegeben hat. Sie trug den Titel „Tempelschätze des heiligen Berges Daigo-ji – Der Geheime Buddhismus in Japan“. Und eben diesen Tempel wollte ich im Rahmen der Saikoku Pilgertour (33 Tempel der Kanon in Westjapan) besuchen. Als man mir jedoch im Haupttempel mit ratlosen Gesichtern und einem „arimasen“ (gibt es nicht!) verständlich machen wollte, dass es den Tempel nicht gibt, zweifelte ich schon an meinem Verstand. Als dann aber ein Mönch hinter mir her gestürmt kommt, den man telefonisch um Hilfe gebeten hatte, konnte der mir erklären, dass die Haupthalle (hondō) des Daigo-jis in den Bergen vor einem Jahr abgebrannt ist. Diese Nachricht hat mich dann fast sprachlos gemacht. Wie konnte bei all den Vorsichtsmaßnahmen gegen Feuer so ein Unglück passieren? Jahrhunderte alte Kulturgüter waren verbrannt – ein unermesslicher Verlust für Kyoto, für die Mönche, für Japan. Ich habe mir dann das ganze Ausmaß der Katastrophe angesehen und habe mich hierzu bei strömendem Regen den ganzen Berg hoch gequält. Ich musste sogar Eintritt für den Bereich des Kami-Daigos bezahlen, obwohl man mich bei dieser Gelegenheit hätte aufklären können. Doch nichts – außer ein paar steinernen Fundamenten, auf denen die Holzsäulen standen, war von der Halle nichts mehr übrig. Ich wäre fast vorbei gelaufen, wenn mich die Steintreppen nicht darauf aufmerksam gemacht hätten, dass hier früher ein Gebäude gestanden haben muss. Anstatt mir also einen Eintrag in mein Pilgerbuch am Daigo-ji geben zu lassen, war jetzt der Tempel im Tal, der Shimo-Daigo, für diese Aufgabe zuständig. Als ich später im Internet nach Informationen suche, wird das Feuer, das die Kannon-Halle vollständig zerstört hatte, mit keinem Wort erwähnt. Nur die Bemerkung, dass der Zugang zum Kami-Daigo Bereich zwecks Wiederaufbau nach einem Unfall gesperrt ist („Entry to Kami-Daigo Area is prohibited because of disaster restoration construction“ erschien auf der Homepage (http://www.daigoji.or.jp/index_e.html)
Ich fahre mit dem Zug noch bis Chaya und steige dann in einen Zug zum Kansai Airport um. Doch ich werde enttäuscht, da heute kein Flug stattfindet, ist der Schalter nicht besetzt. An der Information bekomme ich eine Telefonnummer, unter der sich jedoch keiner meldet. Am Internet Terminal bei der Touristeninformation, wo man für 100 Yen 10 Minuten surfen kann, finde ich auf der Airline Homepage die jeweiligen Flugdaten (Mo, Di, Mi, Do, So jeweils 11.00 und 18.30 Uhr). Wollten heute nicht Mutter und Tochter nach Berlin zurückfliegen? Ich frage nochmals an der Information und mir wird gesagt, dass der nächste Flug für morgen um 11.00 Uhr angesetzt ist. Da ich heute also nichts mehr ausrichten kann, beschließe ich die Jugendherberge in Hagoromo aufzusuchen. Ich würde zwar gerne in Ōsaka im Kikue, einem Business Hotel, das ich schon von einer früheren Japanreise kenne, absteigen, doch die Jugendherberge liegt einfach näher. In der Jugendherberge (http://www.osaka-yha.com/shin-osaka/shin-osaka-e/g-osaka-kokusai.html), in der schon Hajo seine erste Nacht in Japan verbracht hat, bin ich im Schlafsaal bzw. 8-Bett-Zimmer untergebracht. Ich teile mir das Zimmer heute nach mit zwei Französinnen, die vielleicht etwas älter sind als ich. Aber erstmal nutze ich das Ofuro (Gemeinschaftsbad) zum Entspannen. Das kann dann aber auch peinlich werden, wenn man zwar alle Regeln, die hier sorgfältig auf einem Plakat erklärt werden, beherzigt, aber so eine Schulklasse junger Mädchen, wie eine Gänseschar einfällt. Natürlich wird man als Ausländerin ganz anders beäugt als Einheimische. Wenn sich dann jemand vortraut und mit einem beherzten englischen „Hello“, versucht, einen ins Gespräch zu verwickeln, gackert der Rest der Mädchenschar los, als sei man ein Fuchs und habe es auf sie abgesehen. Natürlich kehrt die Mutige dann ganz schnell wieder in den Schoß der Gänsefamilie zurück und man selber steht allein auf weiter Flur und kann nur freundlich grinsen. Als ich vom Bad wiederkomme, überlege ich ob es “Paxnaturon“ (http://www.paxnaturon.com/) ein Jugendherbergen exklusives Haarpflegeprodukt wohl auch in Deutschland zu kaufen gibt. Es riecht herrlich und durch die Schaumspender, haut man sich nicht so viel davon in die Haare. Doch als ich ins Zimmer komme, hocken die beiden Französinnen vor einem Mini-Altar und murmeln ein Gebet. Still setze ich mich auf mein Bett und frage sie, nachdem sie geendet haben, ob sie gerade ein Sutra rezitiert haben. Sie erzählen mir, dass sie der japanischen Nishiren Schule des Buddhismus angehören und für einen Kongress hier nach Japan gekommen sind. Beim Abendbrot, es gibt eine Art Büffet, traue ich meinen Ohren nicht, als mich ein junger Japaner mit akzentfreien Deutsch anspricht. In einem Gespräch erfahre ich, dass er aus Wuppertal stammt, seine Mutter Japanerin ist und er hier seinen Zivildienst ableistet. Ich gehe heute früh zu Bett, da ich schon letzte Nacht nicht richtig schlagen konnte. Zum Glück haben meine beiden Zimmergenossinnen die gleiche Idee.
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